Alkoholpolitik
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Alkoholpolitik
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Mythos: "Deutschlands Jugend säuft"

FALSCH!

RICHTIG:

Nach negativen Einzelmeldungen wird in den Medien häufig der Eindruck erweckt, als würde sich unsere Jugend ständig besaufen und dieses Verhalten würde sich weiter negativ entwickeln. Auch hier gilt, man kann nicht vom Verhalten Einzelner auf die Gesamtheit mutmaßen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche sich zunehmend vom Alkoholkonsum abwenden und dass ein großer Teil weitgehend Alkohol-abstinent ist.

Dies untersucht repräsentativ jährlich in einer deutschlandweiten Analyse die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln (BZgA).[19] Als regelmäßigen Alkoholkonsum definiert die BZgA den durchschnittlichen Konsum eines alkoholischen Getränks pro Woche. Bei jungen Menschen zwischen 12 und 25 Jahren hat im Durchschnitt dieser regelmäßige Alkoholkonsum im Zeitraum 2004 bis 2014 um 23,9 % abgenommen. Der rückläufige Trend ist über alle Altersklassen feststellbar, besonders stark mit einem Minus von über 40 % bei den unter 17-Jährigen. Gleichzeitig ist der Anteil junger Menschen zwischen 12 und 25 Jahren um 48,3 % gestiegen, die komplett auf Alkohol verzichten (nach BZgA-Definition mind. 30 Tage am Stück ohne Alkohol), ebenfalls ein Anstieg in allen Altersklassen (siehe Statistik).
Aus diesen Ergebnissen wird deutlich, bei den Jugendlichen zeigt der Trend insgesamt eine Entwicklung weg vom Alkohol.
Der rückläufige Alkoholkonsum Jugendlicher ist bemerkenswert vor dem Hintergrund anderer Entwicklungen der Heranwachsenden in den letzten Jahren. Die Pubertät beginnt heute deutlich früher. Dementsprechend hatten 2005 41 % der 15jährigen Jungen und Mädchen bereits Erfahrungen mit Geschlechtsverkehr, 1980 war dies nur bei 22 % der Fall[20]. Mit diesem frühen Einsetzen des pubertären Reifeprozesses beginnen auch Verhaltensänderungen früher ob jetzt aus Sicht der Eltern gewünschte oder unerwünschte, wie eben Sexualität, die emotionale Abnabelung von den Eltern oder auch die Suche nach Neuem und Verbotenem. Gerade vor diesem Hintergrund ist der Rückgang des Alkoholkonsums bei Jugendlichen unter 15 Jahren ein sehr positives Zeichen.
Sind als Fazit damit die Probleme Jugendlicher mit Alkohol gelöst? Die Trends bei den Jugendlichen insgesamt sind sehr positiv, es besteht kein rechtlicher Handlungsbedarf. Das heißt aber nicht, dass über die Missbrauchsprobleme einzelner Jugendlicher hinwegzusehen ist. Die Herausforderung ist, diese Minderheit zu erreichen, allgemeine Gesetzesverschärfungen würden diese nur noch mehr in den unkontrollierbaren Bereich von Bauwagen, Schuppen, Privatkeller etc. drängen. Die Probleme sind nur im Dreiklang zu lösen: konsequente Kontrollen des bestehenden Jugendschutzgesetzes plus eine adäquate Betreuung der Problemgruppen plus eine stärkere Inanspruchnahme der Elternverantwortung.


[19] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Der Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland 2014: Köln 2015
[20] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Jugendsexualität 2006, Köln