Vorläufer des Reinheitsgebots
Vorläufer des Reinheitsgebots
 
 
Vorläufer des Reinheitsgebots
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Vorläufer des Reinheitsgebotes

Aus welchem Grund wurden Vorgänger-Verordnungen erlassen?

Die Urfassung des Reinheitsgebotes ist aus vielen – natürlich vor 1516 – an verschiedenen Orten entstandenen Verordnungen hervorgegangen, die zum Schutz der Bevölkerung erlassen worden waren.

Bier – reiner als Wasser?

Bier war in der damaligen Zeit Hauptnahrungsmittel weil meist reiner als Wasser und dadurch gesünder. (Durch das für den Brauprozess notwendige Kochen werden gefährliche Krankheitserreger und andere Keime abgetötet).

Wurden damals nur wertvolle Zutaten in das Bier gemischt?

Leider nein – im Gegenteil; oft kam abenteuerliches Zeug in das Bier.

Vor 1516 wurden dem Bier viele unterschiedliche Zutaten beigemischt. Sie waren teilweise abenteuerlich, teilweise gefährlich, zum Teil konnten sie sogar tödlich wirken.

Was wurde alles in das Bier gemischt?

Kräuter, Früchte und anderes.

Neben durchaus wohlschmeckenden und ungefährlichen Kräutern oder Früchten kamen auch Binsenkraut, Stechapfel, oder sogar Tollkirschen in das Bier. Darüber hinaus wurden Holzspäne, Wurzeln, sogar Ruß oder Pech ins Bier gemischt – solche „Zutaten“ sollten Aussehen, Geschmack und nicht zuletzt die berauschende Wirkung verstärken.

Was kann man zur Qualität der Beimischungen sagen?

Nicht nur das Beste.

Manchmal hatte man keine gute Hand für solche Beimischungen und manchmal auch – keine gute Absicht. Der Einfluss der Obrigkeit bezog sich zunächst vor allem auf die Regelung des Bierpreises – Wucher sollte vermieden werden. Später fiel das Augenmerk auch auf die Güte der Zutaten.

Alte Reinheitsgebote oder Vorläufer

Augsburg im Jahr 1156

Am 21. Juni 1156 verlieh Friedrich Barbarossa das Stadtrecht an die Stadt Augsburg. In der „Justitia Civitatis Augustensi“, dem ältesten Stadtrecht Deutschlands, heißt es: "Wenn ein Bierschenker schlechtes Bier macht oder ungerechtes Maß gibt, soll er gestraft werden..." Das Strafmaß betrug 5 Gulden, zu damaliger Zeit eine beträchtliche Summe, beim dritten Verstoß drohte die Aberkennung des Braurechts.

Nürnberg 1293

In Nürnberg existiert eine Vorschrift aus dem Jahre 1293. Darin ist festgeschrieben, dass nur Gerste zum Bierbrauen verwendet werden darf. (Manche Quellen schreiben dies in das Jahr 1303).

Weimar 1348

In Weimar wurde 1348 geboten, dass kein Brauer zu seinem Bier zutun soll, denn Malz und Hopfen. Das war insofern fortschrittlich, als damals in vielen anderen Städten (speziell im Rheinland) der Hopfen als Bierzusatz noch nicht erlaubt war.

München: 1363 – 1447 – 1487

In München erhielten 1363 12 Stadträte die sogenannte Bieraufsicht. Auf diese Weise sollte die Qualität des Gebrauten deutlich verbessert werden. 1420 musste das Münchner Bier laut Vorschrift eine bestimmte Zeit lang lagern ehe es ausgeschenkt werden und 1447 wurde schließlich festgeschrieben, dass nur Gerste, Hopfen und Wasser zum Brauen Verwendung finden darf. "... und sonst nichts darein oder darunter tun oder man straffe es fuer valsch". Diese Inhalte wurden 40 Jahre später von Herzog Albrecht dem VI bestätigt – und später für ganz Oberbayern verbindlich festgelegt. Das Münchener Reinheitsgebot feierte demnach 1987 das 500 Jahre Jubiläum.

Weißensee 1434

In der "Statuta thaberna", einer Wirthausverordnung die 1434 im Thüringischen Weißensee erlassen worden ist, wird das Bierbrauen nur mit den Rohstoffen Malz, Hopfen und Wasser erlaubt. In ihr sind auch Strafmaßnahmen für Verstöße genannt.

Regensburg 1447

Der Regensburger Stadtarzt sollte ab 1447 das in der Stadt gebraute Bier und die verwendeten Zutaten streng kontrollieren. Seine Erfahrungen führten 1453 zur Einführung einer Brauordnung. Hinfort durften „Weder Samen noch Gewürz oder Gestrüpp“ dem Bier beigemischt werden. Auch der Verkauf von „Glattwasser“ war darin verboten. (Glattwasser ist ein letzter Absud von den Resten der Maische - dünn und weinig genießbar).

Herzogtum Bayern-Landshut 1493

Die erste flächenübergreifende Vorschrift wurde von Herzog Georg dem Reichen für sein Herzogtum Bayern-Landshut erlassen. Seine Biersatzordung von 1493 schrieb fest: "Die Bierbrauer und andere sollten nichts zum Bier gebrauchen denn allein Malz, Hopfen und Wasser, noch dieselben Brauer, auch die Bierschenken und andere nichts anderes in das Bier tun - bei Vermeidung von Strafe an Leib und Gut."