Craft Beer
Craft Beer
 
 
Craft Beer
1

Craft Beer: Was ist das denn?

In den letzten Jahren hat sich in der internationalen Braubranche ein neuer Name etabliert, Craft Beer. Mittlerweile ist der Begriff auch in Deutschland angekommen, es stellt sich die Frage, ist das ein neues Bier oder was hat es mit diesem Begriff auf sich.

Woher kommt der Begriff Craft Beer?

Ausgangspunkt war die US-amerikanische Brauszene. Bis in die 80er-Jahre wurde der dortige Biermarkt nur noch von einer Handvoll Braugiganten mit ebenso großen Industrienanlagen geprägt. Das Ergebnis waren monotone, einheitliche, ausdrucklose Biere, die sich eigentlich nur durch das Etikett auf der Verpackung unterschieden. Anfang der 90er-Jahre begannen dort neu gegründete Kleinbrauereien (Microbreweries) sich gegen diese Eintönigkeit zu stemmen und Biere mit eigenem Geschmacksprofil zu brauen. Sie bezeichneten sich als Handwerksbrauer (im Gegensatz zu den Konzern-Industrieanlagen) und ihr Bier dementsprechend als handwerklich gebrautes Bier, auf Englisch Craft Beer. Diese Craft Beer-Bewegung boomt seit dem in den USA, heute gibt es dort mehr als 4.000 Microbreweries, die in Summe bereits einen Marktanteil von 11% haben.

Wie hat sich Craft Beer international entwickelt?

Ausgehend von den USA hat sich die Craft Beer-Welle mittlerweile auf alle Kontinente dieser Welt ausgebreitet. In den meisten internationalen Bierländern ist eine Situation nicht unähnlich den USA, wenige Braukonzerne beherrschen einen Markt.
Das heißt, die Craft Beer-Bewegung ist ein Gegentrend, hin zu eigenständigen Bierprofilen, hin auch zu Bierspezialitäten. Paradebeispiele für diese Entwicklung sind die Biermärkte in Italien, Japan, Dänemark, um nur einige zu nennen.

Craft Beer in Deutschland, wie geht das zusammen?

Deutschland unterscheidet sich deutlich von anderen Biermärkten. In Deutschland, insbesondere in Bayern, gibt es nicht ein Oligopol weniger marktbeherrschender Bierkonzerne. Im Gegenteil, im deutschen und bayerischen Biermarkt haben kleine und mittelständische Brauereien signifikante Marktanteile. Und handwerklich braut gerade dieses Segment schon immer. Das heißt, Craft Beer oder auf deutsch handwerklich gebraute Biere haben wir hier schon immer. Aber diese internationale Craft Beer-Bewegung zeigt auch in Deutschland ihre Wirkung. Es gibt hier mehr und mehr Verbraucher, die Bier mit mehr Geschmack wollen und Braumeister, die sich verstärkt auf das Brauen von Bierspezialitäten konzentrieren. Sei es durch Rückbesinnung auf alte, zum Teil in Vergessenheit geratene Biersorten wie ein Märzen, Weizenbock oder unfiltrierte Biere. Oder auf der anderen Seite durch das Brauen von heute in Deutschland eher ungewöhnlichen Bierstilen wie Ale, IPA oder fassgereifte Biere. Es geht aber nicht nur um Bierspezialitäten, sondern es geht insgesamt darum alle Biere, also auch Pils, Helles oder Weizen, mit einem eigenständigen Geschmacksprofil zu brauen, das sich abhebt vom Massengeschmack. Ob man jetzt diese Biere als Bierspezialitäten, als Charakterbiere oder als Craft Beer bezeichnet, ist Geschmackssache, das ist jedem selbst überlassen. Sicher ist, die Impulse aus der internationalen Craft Beer-Bewegung sind in Deutschland angekommen, sie wirken und das ist gut so.

Craft Bier und Reinheitsgebot, passt das?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. Denn Craft Beer heißt nicht, je wilder desto besser oder wenn einem nichts mehr einfällt, schmeißt man einfach aromaintensive Kräuter rein. Nein, Craft Beer brauen ist Können, Craft Beer muss auch nicht “laut“ sein, es sind oft die feinen Aroma-Nuancen, die ein Craft Beer wertvoll machen. Zudem, Reinheitsgebot bedeutet nicht Einengung, denn schaut man sich die weite Welt der Biere an, beispielsweise in der Kategorieliste des European Beer Star – einem der bedeutendsten Bierwettbewerbe der Welt -, dann wird deutlich: In 48 Bierkategorien (von gesamt 55) können die Bierstile perfekt mit Reinheitsgebots-Bieren ausgeprägt werden. Zusammen mit dem Wissen, mit der Technologiebandbreite der Braumeister ist das echte Genussvielfalt.

Muss man es Craft Beer nennen?

Nein, natürlich nicht. Sicherlich ist Craft wieder ein eingedeutschter, englischer Begriff, es geht genauso mit Charakterbier, Bierspezialitäten, …. Nur, ausgehend vom Start dieser Bewegung in den USA hat sich international der Begriff Craft durchgesetzt. Craft Beer ist keine Biersorte oder Biergattung, Craft Beer ist eine andere, genussorientierte Herangehensweise an das Bierbrauen. Und das zählt. Wie man es ausdrückt ist zweitrangig.