13.11.2014

Aufklärung des primären Gushing:
Schulterschluss für gemeinsames Forschungsprojekt

Die Privaten Brauereien und die Freien Brauer unterstützen die Wissenschafts-förderung der Deutschen Brauwirtschaft.

Die Brauereiverbände Deutschlands und die Vereinigung der Freien Brauer schließen sich zu einem gemeinsamen Forschungsvorhaben zusammen: Am 13. November 2014 überreichten auf der BrauBeviale in Nürnburg die Geschäftsführer Dr. Werner Gloßner, Private Brauereien Bayern, und Jürgen Keipp von den Freien Brauer jeweils 20.000 Euro an Dr. Erika Hinzmann von der Wissenschaftsförderung der Deutschen Brauwirtschaft. Damit unterstützen sie ein Forschungsvorhaben zur Aufklärung des primären Gushing.

Gemeinsam fördern die führenden Brauerverbände Deutschlands – Deutscher Brauerbund, Private Brauereien und Die Freien Brauer – ein Wissenschaftsprojekt zum Thema Gushing. Der Forschungsansatz von Frau Dr. Hippeli verspricht neue Ansätze und legte den Grundstein für das Forschungsvorhaben „Entwicklung und Etablierung einer Methode zur Differenzierung zwischen potenziell gushenden und nicht-gushenden Getreide- bzw. Malzproben sowie gushenden und nicht-gushenden Bieren“. Das Projekt startete am 1. Juli 2014 und wird insgesamt mit einem Betrag von 117.470 Euro finanziell gefördert. Die Geschäftsführer Dr. Werner Gloßner und Jürgen Keipp und überreichten Dr. Erika Hinzmann von der Wissenschaftsförderung der Deutschen Brauwirtschaft (WiFö) die Schecks offiziell am 13. November 2014 auf der BrauBeviale in Nürnberg.

“Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass leider das Problem Gushing nach wie vor hochaktuell ist“, stellt Dr. Werner Gloßner fest,“ uns hat das neue Konzept von Frau Dr. Hippeli überzeugt. Man muss gerade neue Ansätze intensiv prüfen, denn bisher gibt es keine praxistaugliche Lösung für das Problem Gushing“.

„Ich freue mich sehr, dass wir dieses Forschungsvorhaben gemeinsam starten konnten, um dieses für die gesamte Branche so wichtige Thema voranzubringen“, so Dr. Erika Hinzmann. „Die Erforschung der Gushing-Ursachen und vor allem von Lösungsansätzen für die Praxis stellt schon seit Langem einen Schwerpunkt der Förderaktivitäten der Wifö dar. Die Arbeiten haben aber auch gezeigt, dass es sich hierbei um ein sehr komplexes und multikausales Phänomen handelt, für das leider nach wie vor noch keine umfassenden Lösungen gefunden werden konnten. Nur durch intensive und gemeinsame Forschungsarbeit wird es möglich sein, hier Schritt für Schritt voranzukommen, und ich bin überzeugt, dass dieses gemeinsame Projekt hierzu einen wichtigen Beitrag leisten kann.“

Bei Gushing im Bier kommt es zu einem unkontrollierten Überschäumen beim Öffnen der Flasche. Ziel der Forschungsarbeiten ist die Entwicklung einer Methode zur Detektion der stofflichen Zusammensetzung von gushing-assoziiertem und nicht-gushing-auslösendem Material. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei Getreide bzw. Malz und allen Zwischenstufen bis hin zum fertigen Bier um komplexe Substanzmischungen handelt. Hierfür soll die Technik der LC-UV/Vis-ToF-MS (Liquid Chromatography with Ultraviolet/Visible-Time-of-Flight-Mass Spectrometric Detec-tion) zur Anwendung kommen. Die LC-UV/Vis-ToF-MS liefert für jede Probe eine Analyse der in ihr enthaltenen nieder- und höhermolekularen Substanzen, inklusive der Proteine bzw. deren Abbauprodukte. Jede Probe zeichnet sich durch ein für sie qualitativ charakteristisches Muster an Molekülen aus, das man auch als molekularen Fingerprint bezeichnen könnte. Mit dieser Methode können Proben mit mehreren hundert verschiedenen enthaltenen Substanzen unterschieden werden.

Das gemeinsame Projekt soll hierdurch einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung der am primären Gushing beteiligten Substanzen leisten. Die differenzielle Betrachtung mithilfe der zu entwickelnden Methode soll einerseits Rückschlüsse auf die dem primären Gushing zugrunde liegenden Ursachen ermöglichen und damit eine wesentliche Grundlage für die Erarbeitung von Vermeidungsstrategien bieten. Andererseits besteht die Möglichkeit, mithilfe der zu entwickelnden Methode ein zuverlässiges Testverfahren zur Gushing-Prognose aufzubauen, das der Branche Beurteilungs- und Verwendungssicherheit kritischer Malzchargen geben soll.
von links: Jürgen Keipp, Dr. Erika Hinzmann, Dr. Werner Gloßner
von links: Jürgen Keipp, Dr. Erika Hinzmann, Dr. Werner Gloßner